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Toni Krahl & die KINX vom Prenzlauer Berg
Genauso war´s

SO 202721.03.

EINLASS: 18:00 Uhr
BEGINN: 19:00 Uhr
„Reihe 1 - 10“

„Das Leben ist ein Dauerlauf / mal geht´s bergrunter, mal bergauf / Entscheidend ist die letzte Runde!“ – ein knackiger Song, der Mut macht, wenn man meint, dass die Kräfte nachlassen und man das Tempo nicht mehr halten kann. Nie vor der Zeit aufgeben, ist die Botschaft, da ist immer
eine Chance, und wer zuletzt lacht, sieht am besten aus. Toni Krahl hatte diese Nummer eigentlich für die letzte Runde seiner Band City geschrieben. Mit ihr hat er ein halbes Jahrhundert die Spitze dessen mitbestimmt, was heute „Ostrock“ heißt und eine eigene Stilrichtung der populären Musik beschreibt. City haben auch den unbestritten wichtigsten Einzeltrack dieser Gattung geschaffen, dem Toni seine unverwechselbare Stimme gab: „Am Fester“ zeigte schon in den 1970er Jahren in Ost- und Westdeutschland, welch unerhörte Dichte Rock in Deutsch erreichen kann. City war die erste und einzige Ostband vor dem Mauerfall, die im „Rockpalast“ auftrat und
Gold in der BRD sowie in Griechenland einheimste.
Toni Krahls Biographie wurde geprägt von den besonderen Umständen in dem kleinen Land mit den großen Träumen in den starren Mauern, wo er aufwuchs. Gerade volljährig geworden, lernte der spätere Träger des Bundesverdienstordens den Knast der Stasi kennen, nachdem er 1968 ge-
gen die Zerschlagung des Prager Frühlings durch Truppen der Ostblockstaaten protestiert hatte. Im Normalfall engte so etwas in die Lebensperspektiven in der DDR für immer entscheidend ein – eine Ausreise in den Westen wäre der einfachere Weg gewesen und sie wurde ihm auch nahe-
gelegt. Doch Krahl war schon damals nicht nur mit kreativer Intelligenz und emphatischen Gerechtigkeitssinn, sondern auch mit einem ordentlichen Dickschädel ausgestattet. Er schaffte erst die harten Bewährungsaublagen, dann sein Abi an der Abendschule und schließlich das Studium, das ihm eine Musikerlaubbahn ermöglichte. Schon Mitte der 1970er stand er am Mikro
einer Rockband, die nur wenig später und nicht nur dank des erwähnten gesamtdeutschen Hits einer der angesagtesten in Ostdeutschland war. In den 1980er Jahren wurde sie zu Recht für das nachgerade visionäre Album „Casablanca“ gefeiert, zu Ausgang des Jahrzehnts stand Krahl mit
ganz vorn bei denen, die sich gegen die Stagnation einer agonierenden Gesellschaft zur Wehr setzten. Als sich kurz nach der Wiedervereinigung etliche Musiker wegen vermeintlichem Desinteresse am Sound ostdeutscher Rockbands umorientierten, blieb City der Fels in der Brandung – die persönliche Authentizität eines Toni Krahl spielte dabei eine zentrale Rolle. In
den 1990ern und Nullern gab es noch einmal Gold und Platin. Und am Ende von City – 2022; nach 50 Jahren – schaute Toni Krahl mit seinen Kollegen auf über 15 Millionen verkaufte Tonträger und etwa 3000 Konzerte zurück. Ihr letztes Album „Die letzte Runde“ erreichte 2022 Platz 2 der ofbiziellen Charts.
Nach der letzten Runde mit City folgt nun ein neue. Und das nicht nur, weil der Song dieses Namens zu spät für das Abschiedsalbum gekommen war. Nun wird er zur Fanfare zu einem neuen Aubbruch. Für Toni Krahl hat es ohnehin keinen Stillstand gegeben. Die ihn kennen, wissen, dass der Mann das gar nicht durchhalten würde – zu viel Kraft, zu viele Ideen. Nach einem Zwischenspiel als Gastsänger von Silly nun also der Neustart mit den „Kinx vom Prenzlauer Berg“; die Fans kennen natürlich die Herkunft des Namens aus einem der größten City-Hits der 1970er. Unter dieser Flagge hat Toni Krahl eine charismatische und schlagkräftige Truppe gestandener Musiker aus der Szene um sich geschart, mit denen er ab 22.11. auf große
Deutschlandtournee geht: Als da sind Produzent André Kuntze an den Keyboards, Gitarrist Reinhard „Reini“ Petereit (Rockhaus), Tobias Unterberg (u.a. Inchtabokatables) am Cello sowie Schlagzeuger Carsten Klick, der schon bei fast allen mal getrommelt hat. Natürlich fordert sein neues Album „Genauso war’s“ unwillkürlich zu Vergleichen heraus: Wie viel City steckt in ihm – wie viel Krahl hat in City gesteckt? Dass die Unbergänge angenehm bließend ausgefallen sind, ist bereits dem Wording geschuldet. Die Texte stammen nahezu alle vom City-Stammpoeten Alfred Roesler-Kleint: „Ich habe mit Alfred einen Dichter an meiner Seite, der mit meinen Gedanken und Worten umgehen kann wie kein zweiter…“, erzählt Toni Krahl, „…er trifft immer wieder meine Intentionen und Haltungen, meine Gefühle und meine Seele.“ Und so geht es auch hier emotional ans Eingemachte. Krahl erzählt eigentlich immer von sich selbst. Auch, wenn das nicht immer sofort offenliegt und die Hörenden gern um die Ecke denken dürfen: Bei „Am Morgen danach“ etwa wird man zunächst die Geschichte einer heißen Nacht erwarten – und wie sie sich beim ersten Tageslicht dann manchmal so anfühlt. Das Rafbinierte ist hier, dass man das durchaus so lesen darf. Bei Krahl wird jedoch auch fündig, wer Sinn für die zweite Ebene hat: „Für mich beschreibt das Lied den Morgen nach dem allerletzten City-Konzert…“, lächelt Toni. „Wir hatten alles lange geplant. Aber erst beim Erwachen am Morgen danach wurde mir langsam
klar, dass nichts mehr so war wie früher.“ „Phönix“ geht in eine ähnliche Richtung wie die schon erwähnte „Letzte Runde“: Empowerment für Menschen, die nach Rückschlagen neuen Halt brauchen. Oft sind es gerade die Niederlagen, die uns neue Perspektiven öffnen: „Wer aus der
Asche aufersteht, der muss erst verbrennen.“
Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem wunderschönen „Sonntag“: Während seiner Zeit mit Silly hatte deren Gitarrist Uwe Hassbecker ihm das Stück mal im Studio vorgespielt und gemeint, dass das eigentlich für ihn passen könnte. Toni fand das auch und in der Textmappe von Alfred Roesler-Kleint die passenden Worte dazu. Der Clou: Hassbecker hat ihm das Lied dann zum 75. geschenkt. Mit knarziger Lakonie und knochentrockener, entwaffnender Ehrlichkeit erzählt Toni Krahl auch in den anderen Stücken des Albums seine sehr privaten Geschichten – oder setzt
Erzählungen fort. Bewegend die Biographie-Bewältigung im Titelstück, bei der sich Kreise schließen. Ohne an dieser Stelle in die Tiefe zu gehen, es wird nicht wenige geben, die den Schlüssel zu diesen Bildern im Kopf haben. Doch auch, wer bestimmte Details nicht kennt, wird die Tiefe fühlen. Und dann ist natürlich noch das fein ironische, dabei tief bewegende „Abschied“,
zu dem es keine Schlüssel braucht: „Wenn ich einmal am Ende bin / Erhebt auf mich das Glas /Und macht noch eine Flasche auf / Vielleicht ein ganzes Fass.“ Krahl klingt auch hier sensibel und (t)rotzig zugleich, er kommt lässig und geht sehr tief, er lässt dich weit in sein eigenes Leben hinein und gibt dir so das Gefühl, deins zu kennen und dich zu verstehen. Musik und Texte
entfalten eine geradezu therapeutische Kraft – das Album sollte verschrieben werden dürfen. Risiken und Nebenwirkungen? Unbedingt. Jedoch nur angenehme!

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