Acht Jahre Pause sind im Musikgeschäft ungefähr drei Leben. Genug Zeit, damit sich Mythen bilden, Abschiede verfestigen und aus einem „bis bald“ langsam ein „wahrscheinlich nie wieder“ wird. Nur: Jennifer Rostock haben nie von einem Ende gesprochen. Sondern von einer Pause. Und wie sich jetzt herausstellt, war das keine diplomatische Floskel. Sondern ein Versprechen.
Als Jennifer Rostock 2018 vorerst von der Bildfläche verschwanden, hinterließen sie eine Lücke, die bis heute niemand so richtig schließen konnte. Vielleicht, weil diese Band schon immer mehr war als die Summe ihrer musikalischen Einzelteile. Zwischen Rock, Pop, Punk, Elektro, Indie, NDW und Rap bauten Jennifer Rostock einen Sound, der Grenzen so selbstverständlich eingerissen hat, als wären sie nie da gewesen. Vor allem aber stand diese Band immer für Haltung. Nicht als Accessoire. Sondern als Selbstverständlichkeit. Große Fresse – und eben auch etwas dahinter.
Dass die Band jetzt zurückkommt, wirkt deshalb weniger wie ein Comeback als wie eine Fortsetzung. Eine, die vielleicht genau jetzt passieren musste. Denn der gesellschaftliche Ton ist rauer geworden. Rechtsruck, Queer-Feindlichkeit, Misogynie, digitale Dauerempörung, politische Müdigkeit – all das bildet den Hintergrund einer Gegenwart, die wieder nach klaren Stimmen verlangt.Jennifer Rostock kommen zurück, weil sie noch immer daran glauben, dass Musik Menschen bewegen kann. Dass man gemeinsam etwas verändern kann.
Die Pause ist vorbei.